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Von KI gefunden werden · Ratgeber · 6 Min. Lesezeit · 03.10.2026

Von KI gefunden werden: Was ChatGPT auf Ihrer Website liest.

ChatGPT und Co. lesen Text, keine Bilder. So prüfen Sie, ob KI Ihren Betrieb überhaupt findet.

ChatGPT, Claude und Perplexity sehen Ihre Website nicht so wie Ihre Kunden. Ihre Crawler lesen rohen Text aus dem HTML-Code, ohne Layout, ohne Bilder und ohne Javascript auszuführen. Für Menschen zählt der erste Eindruck. Für diese Systeme zählt nur, was im Quelltext als Text ankommt, sauber strukturiert und eindeutig zuordenbar. Die KI-Übersicht in der Google-Suche ist ein Sonderfall: Sie stützt sich auf den normalen Googlebot, und der führt Javascript aus.

Das betrifft längst nicht mehr nur Expertenthemen. Seer Interactive hat Suchanfragen aus den Konten seiner Kunden von Januar 2025 bis Februar 2026 ausgewertet. Bei informationalen Anfragen erschien in 36 Prozent der Fälle eine KI-Übersicht, bei Vergleichsanfragen nach dem Muster „X oder Y“ in 95,4 Prozent. Seer ist eine US-Agentur, die Werte sind keine deutsche Marktzahl. Quelle: Seer Interactive.

Wie KI-Systeme eine Website tatsächlich lesen.

KI-Suchsysteme setzen eigene Crawler ein. OpenAI schickt GPTBot und OAI-SearchBot, Anthropic schickt ClaudeBot und Claude-SearchBot, Perplexity schickt PerplexityBot. Jeder davon ruft die Seite auf, liest die HTML-Antwort des Servers und zieht daraus Überschriften, Absätze, Listen und Tabellen. Was optisch überzeugt, aber im Code nicht als Text existiert, kommt bei diesen Systemen gar nicht an.

Das unterscheidet KI-Crawler nicht grundsätzlich von klassischen Suchmaschinen-Crawlern. Neu ist, dass die extrahierten Textschnipsel direkt in eine Antwort einfließen, oft ohne dass ein Nutzer die Original-Seite je öffnet. Fehlt dort eine klare Aussage zu Leistung, Standort oder Preis, fehlt sie auch in der generierten Antwort.

Der blinde Fleck: Javascript, Bilder, PDF-Dateien.

Vercel und der Messdienst MERJ haben untersucht, wie KI-Crawler mit Javascript umgehen. Grundlage waren rund 569 Millionen Abrufe von GPTBot und rund 370 Millionen Abrufe der Anthropic-Crawler innerhalb eines Monats. Ergebnis, Stand Dezember 2024: Keiner der großen KI-Crawler von OpenAI, Anthropic, Perplexity, Meta und Bytedance führt Javascript aus. GPTBot lud in 11,5 Prozent der Abrufe Javascript-Dateien herunter, die Anthropic-Crawler in 23,84 Prozent. Ausgeführt wurde der Code nicht. Anders arbeiten Googles Gemini und Apples AppleBot: Sie rendern Javascript wie ein Browser. Quelle: Vercel.

Für eine Website aus der Energietechnik heißt das: Ein Produktkatalog, der sich erst per Javascript aufbaut, ein Slider mit Referenzprojekten, eine Preistabelle, die erst nach einem Klick lädt, all das bleibt für diese Systeme leer. Auch ein PDF-Datenblatt ersetzt keinen Text auf der Seite. Ob und wie gründlich KI-Crawler PDF-Dateien auswerten, dokumentiert keiner der Anbieter. Sicher ist nur Text, der auf der Seite selbst steht.

  1. 01Navigationspunkte, Leistungen oder Preise, die erst nach einem Klick per Javascript nachladen.
  2. 02Bildkacheln oder Icons ohne Textalternative, die eine Aussage ersetzen sollen.
  3. 03Referenzen und Projektbeispiele nur als Bildergalerie, ohne Beschreibung im Text.
  4. 04Technische Daten nur im PDF-Datenblatt, nicht auf der Seite selbst.

Was für KI-Systeme wirklich zählt.

Strukturierte Daten nach Schema.org sagen einem System direkt, was ein Preis, eine Leistung oder eine Bewertung ist, ohne Interpretation. Für einen Energietechnik-Betrieb sind das vor allem die Typen Organization, LocalBusiness, Service und FAQPage. Ohne diese Auszeichnung muss das System aus dem Fließtext erschließen, was auf der Seite was bedeutet. Zu FAQPage ein Hinweis: Google zeigt seit dem 7. Mai 2026 keine FAQ-Ergebnisse mit aufklappbaren Fragen mehr an. Als maschinenlesbare Struktur bleibt das Markup gültig.

Forscher der Princeton University, des IIT Delhi, von Georgia Tech und des Allen Institute for AI haben neun Optimierungstaktiken geprüft. Ihr Testaufbau GEO-bench umfasst rund 10.000 Anfragen aus neun Quellen. Am besten schnitten wörtliche Zitate, Statistiken und Quellenangaben ab: Sie brachten bis zu 40 Prozent mehr Sichtbarkeit in den generierten Antworten. Getestet wurde in einem eigenen Testsystem und zusätzlich mit Perplexity. Veröffentlicht 2024 auf der Fachkonferenz ACM SIGKDD. Quelle: arXiv 2311.09735.

Dazu zählt auch, wer hinter einer Aussage steht. Ein Leistungstext mit Namen, Qualifikation und Firmensitz lässt sich einem realen Betrieb zuordnen. Ein anonymer Textblock ohne Impressumsbezug nicht. Wie stark einzelne KI-Systeme die Herkunft einer Aussage gewichten, legen die Anbieter nicht offen. Eine eindeutige Zuordnung nimmt ihnen aber das Raten ab.

Was nicht als Text im Code steht, kann keine KI zitieren.

robots.txt, llms.txt und die Frage, wen Sie hereinlassen.

Viele Ratgeber empfehlen eine llms.txt-Datei, eine Art Inhaltsverzeichnis für KI-Systeme. Ahrefs hat dazu 137.210 Domains ausgewertet, Datenstand Mai 2026, veröffentlicht am 15. Juni 2026. Ergebnis: 28 Prozent der Domains hatten eine solche Datei. 97 Prozent dieser Dateien bekamen im Untersuchungsmonat keinen einzigen Abruf, weder von Menschen noch von Bots. Von den tatsächlichen Abrufen stammten nur 19,5 Prozent von benannten KI-Systemen, überwiegend von Programmier-Assistenten, nicht von KI-Suchmaschinen. Quelle: Ahrefs.

Wirksamer ist die robots.txt, richtig differenziert. OpenAI und Anthropic trennen Trainings-Crawler von Such-Crawlern. GPTBot und ClaudeBot sammeln Trainingsdaten. OAI-SearchBot und Claude-SearchBot arbeiten für die Suche in ChatGPT und Claude. PerplexityBot dient laut Perplexity der Suche, nicht dem Training. Wer alle KI-Bots pauschal blockiert, blockiert damit auch die eigene Sichtbarkeit in genau dieser Suche.

Was Sie als Energietechnik-Betrieb jetzt prüfen können.

  1. 01Öffnen Sie die robots.txt Ihrer Domain. Steht dort ein Pauschal-Block für alle Bots, sperren Sie vermutlich auch OAI-SearchBot, Claude-SearchBot und PerplexityBot aus.
  2. 02Deaktivieren Sie im Browser Javascript und laden Sie Ihre wichtigste Leistungsseite neu. Was dann noch als Text lesbar ist, sieht auch ein KI-Crawler.
  3. 03Prüfen Sie Ihre strukturierten Daten mit dem Schema Markup Validator unter validator.schema.org. Der Rich-Results-Test von Google prüft nur Typen, für die Google eine eigene Darstellung hat. Service gehört nicht dazu.
  4. 04Fragen Sie ChatGPT oder Perplexity direkt nach Ihrer Leistung und Ihrer Region. Taucht Ihr Betrieb gar nicht auf, kann einer der genannten technischen Gründe dahinterstecken.

Fällt eine dieser Prüfungen durch, liegt das Problem oft nicht am Inhalt Ihrer Website. Der Inhalt kommt bei diesen Systemen schlicht nicht an.

Häufige Fragen.

Muss ich meine Website wegen der KI-Suche komplett neu bauen?

In den meisten Fällen nicht. Wichtig ist, dass die zentralen Aussagen zu Leistung, Standort und Preis als echter Text im HTML stehen und nicht erst per Javascript nachgeladen werden. Das lässt sich meist nachrüsten, ohne die Website neu zu bauen.

Hilft eine llms.txt-Datei, dass ChatGPT meine Firma empfiehlt?

Laut der Ahrefs-Auswertung mit Daten aus dem Mai 2026 bekamen 97 Prozent der gefundenen llms.txt-Dateien im Untersuchungsmonat keinen einzigen Abruf. Die Datei kostet wenig Aufwand, ist aber kein belegter Hebel für mehr Sichtbarkeit in der KI-Suche.

Sollte ich KI-Bots aus Sorge vor Datenklau einfach komplett blockieren?

Das blockiert auch die Such-Crawler, über die Ihre Website in ChatGPT, Claude oder Perplexity überhaupt erst zitiert werden kann. Sinnvoller ist eine robots.txt, die Trainings-Crawler und Such-Crawler getrennt behandelt.

Reicht ein gutes Google-Ranking automatisch für Sichtbarkeit in der KI-Suche?

Nicht für alle Systeme. Für die KI-Übersicht von Google zählt der Google-Index, dort hilft ein gutes Ranking. ChatGPT, Claude und Perplexity crawlen dagegen mit eigenen Bots, die kein Javascript ausführen. Eine Seite kann bei Google gut ranken und für diese Systeme trotzdem leer sein, wenn zentrale Inhalte erst per Javascript entstehen oder nur als Bild vorliegen.

Wie lange dauert es, bis Änderungen in der KI-Suche wirken?

Das lässt sich seriös nicht pauschal beziffern, weil jedes System eigene Crawling- und Aktualisierungszyklen hat. Belegt ist nur, dass technische Hürden wie fehlender Text im Code die Sichtbarkeit verhindern, unabhängig davon, wie lange man wartet.

Kann ChatGPT googeln?

Ja, bei Bedarf sucht ChatGPT selbst im Web und kann dabei Quellen nennen. Es arbeitet dafür teils mit anderen Suchanbietern zusammen. Ohne Websuche antwortet es aus dem, was es beim Training gelernt hat. Damit Ihre Seite infrage kommt, muss sie für Suchmaschinen und KI gut lesbar sein.

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